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Goodyear ist neben Zeppelin ein traditionsreiches Unternehmen im Luftschiffbau und -betrieb. Der Betrieb kann dabei auf eine ununterbrochene Geschichte der Luftschifffertigung, unter anderem in Zusammenarbeit mit Zeppelin, zurückblicken und hatte im Prallluftschiffbau eine ähnliche Bedeutung wie Zeppelin im Starrluftschiffbau. Nach eigenen Angaben fertigte die Firma von 1917 bis 1995 mehr als 347 Luftschiffe, 239 davon auf der Wingfoot-Lake-Luftschiffbasis.

Vier Goodyear-Blimps
Vier Goodyear-Blimps

Geschichte



Anfänge


Goodyear baute den ersten Ballon 1912. Im gleichen Jahr fertigte es auch die Hülle für das Luftschiff Akron, das jedoch wenig später fünf Männer in den Tod reißen sollte[1][2]. Im folgenden Jahr begann Goodyears lange Geschichte in Ballonbau und -fahrt. 1916 kauft Goodyear etwas Land südöstlich von Akron, um es als Produktionsstätte und Flugfeld zu nutzen. Der Bau von US-Militärluftschiffen begann 1917, als die US-Marine 16 Prallluftschiffe des Typs B bestellte. Neun davon baute Goodyear, fünf Goodrich und zwei wurden von Connecticut Aircraft gebaut.

Ein berühmter Angestellter zu Beginn der 1920er Jahre war der US-amerikanische Luftschiffpionier Thomas Scott Baldwin.

Als Urahn aller modernen Prallluftschiffe gilt der zivile Blimp „Pilgrim“, der 1925 gebaut wurde. Er hatte ein Volumen von 1560 m³ und einen Sternmotor im Gondelheck. Die Gondel war direkt am Rumpf angebracht. Mit „Pilgrim“ wurden 4765 Fahrten durchgeführt, dann wurde sie in das Smithsonian-Museum überstellt.


Goodyear-Zeppelin Corporation


Im Jahr 1924 wurde das Gemeinschaftsunternehmen Goodyear-Zeppelin Corporation gegründet, an der die deutsche Luftschiffbau Zeppelin GmbH zu einem Drittel beteiligt war. Bei Gründung der Gesellschaft wurden alle Luftschiffpatente der Firma Zeppelin an das neu gegründete Joint Venture übertragen.[3]

Bis 1941 hatte Goodyear eine Flotte von elf zivilen Prallluftschiffen aufgebaut. Sie wiesen Hüllenvolumen von bis zu 5200 m³ auf und konnten sechs bis zehn Passagiere befördern. Zwischen 1925 und 1941 beförderten diese Schiffe bei 151.800 Fahrten in 93.000 Fahrtstunden auf einer Strecke von 6,75 Millionen Kilometern unfallfrei 405.500 Passagiere. Sie dienten auch der Flugausbildung, Materialtests oder der Erarbeitung von Abläufen des Flugbetriebes. Die Luftschiffe besuchten viele Städte und verfügten bereits über sich bewegende Leuchtwerbung am Rumpf. Sie überwachten den Verkehr, halfen Fischern und wurden bei Waldbränden und Überschwemmungen eingesetzt.

1928 erhielt die Good Year Zeppelin Co. den Auftrag für den Bau von zwei Großluftschiffen, der USS Akron und USS Macon im Wert von acht Millionen Dollar.


Nach dem Zweiten Weltkrieg


Mitte der 1940er Jahre protegierte das Unternehmen ein Transkontinental-Luftschiffprojekt. Neben einer Luxusversion für 112 und einer regulären Version für 288 Passagiere wurde auch eine Version als Transportluftschiff angedacht, welche innerhalb des Luftschiffdecks bis zu 90 Tonnen Fracht transportieren sollte.[4] Im Jahr 1947 wirkte gar Hugo Eckener als Berater sieben Monate für dieses Projekt mit. Die Idee kam durch ein Mangel an staatlicher Förderung jedoch über die Konzeptionsphase nie hinaus.[5]

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg fertigte Goodyear weiter Militärluftschiffe für die US-Marine. Goodyear baute unter anderem das weltgrößte Prallluftschiff ZPG-3W. Ein Luftschiff dieses Typs, von dem insgesamt vier gebaut wurden, war das letzte militärische Luftschiff, das Goodyear am 4. April 1960 nach Lakehurst auslieferte.

Danach wurden nur noch zivile Luftschiffe gebaut, die als „Goodyear-Blimps“ bekannt geworden sind. Kein anderes Luftschiff ist so eng mit der Bezeichnung „Blimp“ verbunden. Diese kleinen Werbeluftschiffe waren Gast in diversen Filmen und sind häufig bei Großveranstaltungen zu sehen, wo sie auch die Funktion von Relaisstationen und Kameraplattform für Rundfunkübertragungen innehaben. Goodyear betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu acht Luftschiffe gleichzeitig.

Im Mai 1959 machte das Unternehmen von sich reden, indem eine Studie eines mit Atomkraft betriebenen Prallluftschiffs vorgestellt wurde, welches eine hohe Reichweite aufweisen sollte und vornehmlich für Überwachungszwecke hätte eingesetzt werden können. Eine zweistöckige Luftschiffgondel wäre am Bug befestigt worden, der Atomreaktor hingegen in der Mitte des Schiffs. Die Studie wurde jedoch nicht weiter verfolgt und das Luftschiff daher nicht realisiert.[6]


Verkauf der Luftschifffertigung


Die „Goodyear Aerospace Corporation“ wurde 1987 an Loral (Loral Defence Systems Inc.) und Anfang der 1990er-Jahre inklusive der Typenzertifikate für die GZ-20- und GZ-22-Luftschiffe an Lockheed Martin verkauft. Die vorhandenen Goodyear-Luftschiffe werden von der Goodyear Tire & Rubber Company weiter gewartet und von Zeit zu Zeit aufgearbeitet. Es werden jedoch keine neuen Schiffe mehr gebaut.

2005 waren in Nordamerika drei Goodyear-Blimps vom Typ GZ-20 stationiert, die „Stars and Stripes“, getauft am 18. Juni 1998, die „Spirit of America“ (Typ: GZ-20A) wurde am 5. September 2002 in Akron, Ohio getauft und die „Spirit of Goodyear“ (Typ GZ-20A-N3A), wurde am 15. März 2000 getauft.


Kauf von Zeppelin NT-Luftschiffen


Der Zeppelin NT Wingfoot One, kurz vor der Taufe
Der Zeppelin NT Wingfoot One, kurz vor der Taufe

Anfang 2011 gab Zeppelin bekannt, dass Goodyear drei Zeppelin NT bestellt habe, die die Werbeluftschiffflotte von Goodyear wieder verstärken und ältere Luftschiffe ersetzen sollen[7]. Damit wurde auch eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen Zeppelin und Goodyear wiederbelebt. Der erste Zeppelin Wingfoot One machte seinen Jungfernflug am 17. März 2014.[8] Er ersetzt an der Wingfoot-Lake-Luftschiffbasis den Goodyear-Blimp Spirit of Goodyear vom Typ GZ-20A, der im Oktober 2013 seinen Dienst beendete[8].

Wingfoot Two wurde am 8. April 2016 im Wingfoot-Lage-Hangar der Öffentlichkeit vorgestellt.[9]


Luftschiffflotte



Goodyear-Blimps


Die „Puritan“ 1933
Die „Puritan“ 1933
Goodyear-Blimp N2A Europe 1972
Goodyear-Blimp N2A Europe 1972
N3A „Stars & Stripes“ 1995
N3A „Stars & Stripes“ 1995

Die folgende Auflistung enthält eine unvollständige Auflistung von Luftschiffen, die zivil genutzt wurden und werden. Teilweise wurden auch Blimps an das Militär abgegeben oder zurückerhalten. Durch Umbauten und Weiterverwendungen von Gondeln und Hüllen an anderen gleichartigen Luftschiffen ist die Historie der Namensvergabe deren Kontinuität nicht immer vollständig nachvollziehbar oder auch in den Quellen widersprechend. Hinzu kommt, dass die Luftschiffe teilweise auch abhängig von ihrem Einsatzort umbenannt wurden. Für Militärluftschiffe siehe: US-Militärluftschiff.


ABC-Blimps im Auftrag von Goodyear


Spirit of Europe II
Spirit of Europe II

Weiterhin setzte Goodyear drei Luftschiffe vom Typ ABC A-60+ ein, die von der American Blimp Corporation gebaut wurden und von The Lightship Group betrieben werden. (Stand 2001)

Goodyear bietet kommerziell keine Rundfahrten an. Mitfahrgelegenheiten werden in der Regel an Werbekunden sowie Presse und Medien vergeben, die dann über deren Besetzung entscheiden.


Zeppelin-NT-Luftschiffe (ab 2014)



Technische Daten der Goodyear-Typen



GZ-20A


Goodyear-Luftschiff von unten
Goodyear-Luftschiff von unten

GZ steht für „Goodyear Zeppelin“. Der GZ-20-Typ basiert auf dem K-Typ, der bereits im Zweiten Weltkrieg für die US-Marine gebaut wurde.


GZ-22


Die „Spirit of Akron“ (N4A) war das einzige Luftschiff vom Typ GZ-22. der Erstflug fand 1987 statt, das Typenzertifikat wurde am 31. August 1989 ausgestellt[25]. Sie wurde am 28. Oktober 1999 beschädigt, als das Schiff nach Traggasverlust in einer Baumgruppe landete[26]. Danach wurde sie durch die „Spirit of Goodyear“ ersetzt. Bis heute (Stand 2016) ist es das einzige mit Gasturbinentriebwerken (Turboprop) ausgestattete Luftschiff.


Unfälle


Die „Spirit of Safety“ am Tag des Unglücks über Oberursel
Die „Spirit of Safety“ am Tag des Unglücks über Oberursel

Ein schwerer Unfall ereignete sich am Abend des 12. Juni 2011 bei Reichelsheim in der Wetterau (Hessen). Dabei wurde das Goodyear-Prallluftschiff „Spirit of Safety I“ vom Typ ABC A-60+ vollständig zerstört und der Pilot kam ums Leben.

Das Luftschiff mit der Zulassung G-TLEL wurde vom britischen Unternehmen The Lightship Group betrieben und für Werbezwecke und Rundflüge gewerblich genutzt. Sein Einsatz im Sommer 2011 war Teil einer Verkehrssicherheitskampagne von Goodyear, der Deutschen Verkehrswacht (DVW) und des Automobilclub von Deutschland.[27] Am Unglückstag startete die „Spirit of Safety“ gegen 18.08 Uhr vom Flugplatz Reichelsheim zu einem Rundflug über dem Gelände des Hessentags im nahegelegenen Oberursel. An Bord waren neben dem 52-jährigen australischen Piloten drei Journalisten, die Luftaufnahmen machen wollten.

Nach dem Rückflug kam es beim Versuch der Landung gegen 20.15 Uhr zu einer harten Bodenberührung, bei der das Fahrwerk brach und die Kraftstoffanlage beschädigt wurde. Benzin trat aus und entzündete sich. Die drei Passagiere konnten das brennende Luftschiff noch rechtzeitig verlassen. Dem Piloten gelang dies jedoch nicht mehr, da das Luftschiff wegen des nun erheblich verminderten Gewichts rasch wieder aufstieg. Die Bodenmannschaft versuchte zwar noch, die Haltetaue zu erreichen, kam aber zu spät. Nach etwa 5 Minuten stürzte es schließlich auf eine nahe Wiese und brannte vollständig aus. Der Pilot konnte nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Die drei Passagiere erlitten einen Schock, blieben ansonsten aber unverletzt. Ursache der Bruchlandung war vermutlich Überladung.[28]



Commons: Category:Goodyear Blimps – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Hessentag: Luftschiff stürzt brennend ab – Pilot kommt ums Leben – Nachricht

Einzelnachweise


  1. http://www.naval-airships.org/resources/Documents/VINTAGE.RADIO.0111.pdf abgerufen am 31. Dezember 2016
  2. Peter Kleinheins, Wolfgang Meighörner (Hrsg.): Die großen Zeppeline – Die Geschichte des Luftschiffbaus. 3. überarb. Auflage. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-21170-5. Seite 14
  3. K. Clausberg: Zeppelin: Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges. Augsburg 1990, S. 172.
  4. J. Bleibler: Die fünfziger und sechziger Jahre – Großluftschiffprojekte in Deutschland und den USA. In: W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 152 f.
  5. W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 90 (Farbabbildungen).
  6. J. Bleibler: Die fünfziger und sechziger Jahre – Großluftschiffprojekte in Deutschland und den USA. In: W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 156 f.
  7. Pressemitteilung ZLT Mai 2011, (PDF; 51 kB) (Memento vom 28. September 2013 im Internet Archive)
  8. Rich Heldenfels: A new blimp is christened: Wingfoot One makes its formal debut. In: Akron Beacon Journal, 23. August 2014. Abgerufen am 13. September 2016.
  9. stieg erstmals am abgerufen am 13. September 2016
  10. Chicago Tribune vom 22. Juli 1919 Seite 1–3; online unter http://archives.chicagotribune.com/1919/07/22/page/1/article/blimp-burns-kills-ii abgerufen am 12. September 2016
  11. Flight, A SPORTING DIRIGIBLE; Ausgabe: vom 15. April 1920; Seite 413–415; online als PDF-S.413, PDF-S.414 und PDF-S.415 abgerufen am 26. Dezember 2016
  12. http://www.catalinagoose.com/pacificmarine.html Bilder und Goodyear-Werbung zum Pony Blimp; abgerufen am 26. Dezember 2016
  13. BLIMPS; Aviation; Ausgabe vom Oktober 1940 Seite 49; online hinter Anmeldeschranke im Archiv von Aviation.com; abgerufen am 19. Dezember 2016
  14. Fotografie der Navy Lakehurst Historical Society gemeinsam mit LZ126 im Hangar in Lakehurst, online unter http://www.nlhs.com/uploads/2/6/6/6/26666064/9337960_orig.jpg
  15. THE GOODYEAR "PURITAN"; Flight; 25. Oktober 1928 Seite 942; Online-Archiv: https://www.flightglobal.com/pdfarchive/view/1928/1928%20-%201020.html?search=puritan abgerufen am 21. Dezember 2016
  16. http://vintageairphotos.blogspot.de/2015/03/volunteer-at-rest.html abgerufen am 24. Dezember 2016
  17. Kite Balloons to Airships...the Navy's Lighter-than-Air Experience; (Ausgabe zu 75 Jahren US-Marineluftschiffahrt); Published by the Deputy Chief of Naval Operations (Air Warfare) and the Commander, Naval Air Systems Command, Washington, D.C., Edited by Roy A. Grossnick, Designed by Charles Cooney, U.S. Government Printing Office: 1983-187-029; Seite 34
  18. THE NOON BALLON The Official Newsletter of THE NAVAL AIRSHIP ASSOCIATION, INC.; No. 74 Summer 2007; Seite 14–17 online als PDF, abgerufen am 11. Oktober 2016.
  19. Flight International, Toodvear Aircraft Corp; Ausgabe: vom 19. August 1960; Seite 249; online als PDF, abgerufen am 26. Dezember 2016.
  20. BeatlesArchivesHQ: The Beatles - The Filming Of Help: Home Movies in Colour - GREAT CLIPS. 24. Juli 2012, abgerufen am 9. Januar 2018.
  21. http://blogs.dailybreeze.com/history/2011/05/11/the-goodyear-blimp/ abgerufen am 12. September 2016
  22. http://articles.sun-sentinel.com/2005-06-17/news/0506170013_1_blimp-s-two-pilots-coral-springs-fire-rescue-goodyear abgerufen am 12. September 2016
  23. http://edition.cnn.com/2003/US/West/12/04/blimp.crash/ abgerufen am 12. September 2016
  24. Current Blimps. Abgerufen am 7. Juni 2020.
  25. Type Certificate Data Sheet No.AS1GL Lockheed Martin (Loral) GZ-22. Federal Aviation Authority. 1. Oktober 1997. Abgerufen am 25. Dezember 2016.
  26. http://www.cbsnews.com/news/goodyear-blimp-crashes/ abgerufen am 25. Dezember 2016
  27. Verkehrssicherheitsaktion von Goodyear, Verkehrswacht und AvD osthessen-zeitung.de, 18. April 2011
  28. Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (Hinweis: In dem Bericht wird versehentlich Bad Homburg als Ziel des Fluges genannt, der Hessentag fand jedoch in der Nachbarstadt Oberursel statt.)



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