Die Condor Flugdienst GmbH, kurz Condor, ist eine deutsche Fluggesellschaft mit Basis auf dem Flughafen Frankfurt.
Am 21. Dezember 1955 wurde die Deutsche Flugdienst GmbH von den vier Gesellschaftern Norddeutscher Lloyd (27,75 %), Hamburg-Amerika-Linie (27,7 %), Deutsche Lufthansa (25,81 %) und Deutsche Bundesbahn (18,5 %) gegründet. Die rechtliche Voraussetzung für die Gründung einer deutschen Fluggesellschaft war, dass die Besatzungsmächte das Alliierte Vorbehaltsrecht der Genehmigung des Luftverkehrs durch den im selben Jahr in Kraft getretenen zweiten Deutschlandvertrag auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen hatten. Der Heimatflughafen ist seit Anbeginn der Flughafen Frankfurt.
Am 29. März 1956 begann der touristische Flugbetrieb des Unternehmens mit einem Pilgerflug ins Heilige Land.[6] Schon im ersten Betriebsjahr standen Mallorca sowie die Kanareninsel Teneriffa auf dem Flugprogramm. Die Flotte bestand zunächst aus vier zweimotorigen Propellerflugzeugen des englischen Typs Vickers Viking mit je 36 Sitzen. Im Oktober 1957 erwarb die Gesellschaft fünf Maschinen des Typs Convair CV-240 aus den Beständen der KLM, die über eine Druckkabine verfügten und einen höheren Komfort boten. Im Jahr 1959 übernahm die Deutsche Lufthansa AG 95,5 % des Kapitals der Deutschen Flugdienst GmbH.
Die Deutsche Flugdienst GmbH übernahm 1961 die 1957 gegründete Condor Luftreederei des Oetker-Konzerns und nannte sich ab dem 1. November 1961 Condor Flugdienst GmbH. So kehrte ein traditionsreicher Name in die Lufthansa-Familie zurück: 1927 wurde als eine Lufthansa-Tochtergesellschaft die Syndicato Condor Ltda. in Brasilien gegründet und flog seit 1941 als Serviços Aéreos Condor. 1942 fiel das Eigentum an Brasilien und der Nachfolger (Serviços Aéreos Cruzeiro do Sul Ltda.) ging später an VARIG. Bei der heutigen Condor handelt es sich also nicht um eine Rechtsnachfolgerin der Syndicato Condor Ltda., jedoch erinnert der Name Condor an diese Pionierzeit der deutschen Verkehrsluftfahrt.
Die Condor Flugdienst GmbH hatte 1962 an der gesamten deutschen Flugtouristik einen Anteil von 63,3 Prozent. Rund 32.000 Passagiere wurden in diesem Jahr befördert – Mallorca war mit 18.400 Passagieren der Spitzenreiter. 1964 bestand die Condor-Flotte aus vier Vickers Viscount. Im Februar 1965 wurde die erste Boeing 727-100 von der Lufthansa übernommen; im Jahr 1970 kam eine zweite Maschine dieses Typs hinzu. Im Februar 1967 erhielt Condor ihre erste Boeing 707-300B, mit der Langstreckenflüge nach Colombo, Bangkok, Nairobi und Santo Domingo aufgenommen wurden. Charterflüge in die USA folgten ab Dezember 1967. Kontinuierlich wurde die Flotte bis 1968 auf Jets umgestellt.[7][8] Im Jahr 1968 erwarb die Lufthansa die Charterfluggesellschaft Südflug International, die am 2. Januar 1969 mit der Condor fusionierte.
Als erste Ferienfluggesellschaft der Welt setzte Condor 1971 den „Jumbo“, die Boeing 747-200, ein. Mit einem Umsatz von 291 Millionen DM lag Condor 1973 weltweit an der Spitze der Ferienfluggesellschaften. Vorübergehend kamen während der Sommersaison 1971 drei Boeing 737-100 der Lufthansa zu Condor.[7] Die Flotte setzte sich 1973 zusammen aus insgesamt elf Boeing-Flugzeugen: Zwei Boeing 747, zwei Boeing 707 und sieben Boeing 727. Im Rahmen der Ölkrise wurden die zwei Boeing 747 später durch McDonnell Douglas DC-10-30 ersetzt, die bis Ende der 1990er-Jahre als größtes Flugzeugmuster in der Flotte verblieben. Ab 1981 wurden insgesamt fünf Boeing 737-200 eingeflottet, später auch 737-300. Im Sommer 1985 gehörte für kurze Zeit auch eine von der Lufthansa Cargo geleaste Douglas DC-8 zur Flotte.
Einher mit der Abwicklung der DDR-Fluggesellschaft Interflug im Jahr 1990 gingen Planungen, eine gemeinsame Tochterfirma „InterCondor“ zu gründen, an der sowohl Interflug als auch Condor mit jeweils 50 Prozent beteiligt gewesen wären. Im Frühling desselben Jahres wurden bereits die nötigen Verträge unterzeichnet. Man rechnete für das Ostberlin-Geschäft mit einem Potenzial von 1,6 Millionen Fluggästen pro Jahr. Entsprechendes Werbematerial war bereits publiziert worden.[9][10] Zunächst sollte eine Boeing 757-200 der Condor mit 210 Sitzplätzen und einer Reichweite von 5700 Kilometern geleast werden, später weitere 737.[11] Bedingt durch die inzwischen erfolgte Deutsche Wiedervereinigung und geänderte Rahmenbedingungen wurde das Vorhaben letztlich nicht verwirklicht.
Condor Flugdienst führte 1991 mit der Condor Comfort Class als erste Ferienfluggesellschaft eine Business Class ein. Im Herbst 1992 wurde die Tochter Südflug komplett in die Condor Flugdienst integriert. Zwischen 1993 und 1996 war wieder eine Boeing 747 in den Farben der Condor im Einsatz, eine 747-400 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-ABTD,[12] die allerdings keine Condor-Flüge durchführte, sondern für Lufthansa nach Taiwan flog. Zu der Zeit war es durch ein Gesetz der Volksrepublik China Fluggesellschaften, die Taiwan anflogen, untersagt, auch die Volksrepublik China anzufliegen. Im Jahr 1995 weitete Condor ihre Beteiligungen aus. Inzwischen gehören die alpha Holding GmbH (30 Prozent), die Kreutzer Touristik GmbH (37,5 Prozent), die Fischer Reisen GmbH (100 Prozent) und mit 10 Prozent die Öger Tours GmbH zum „Condor-Touristik-Verbund“. Condor Flugdienst übernahm außerdem den vom Lufthansa-Konzern bis dahin gehaltenen Anteil von 50 Prozent an der zur übrigen Hälfte Turkish Airlines gehörenden Charterfluggesellschaft Sunexpress.
Der US-amerikanische Maler James Rizzi gestaltete 1996 zum 40-jährigen Unternehmensjubiläum eine Boeing 757-200 zum fliegenden Kunstwerk, den „Rizzi Bird“. Condor wurde mit zwölf Festbestellungen Erstkunde der Boeing 757-300.
Anfang des Jahres 1998 gründete Condor die Condor Berlin GmbH (CIB), eine 100-prozentige Tochtergesellschaft mit Sitz in Berlin-Schönefeld. Diese besaß den ICAO-Code CIB und bediente bis zu ihrer Integration in die Muttergesellschaft am 1. Mai 2013 mit Airbus A320-200 Ziele auf der Kurz- und Mittelstrecke.
1997 brachte die Lufthansa die überwiegende Mehrheit ihrer Anteile an der Condor in die gemeinsam mit Karstadt gegründete C&N Touristic ein, aus der später die Thomas Cook Group entstand. Aus Condor Flugdienst wurde 2002 die neue Marke „Thomas Cook powered by Condor“. In Deutschland erhielten die Flugzeuge von Condor und Condor Berlin nach und nach das neue Thomas-Cook-Design. Auf dem Rumpf der Maschinen stand seitdem der Schriftzug „Thomas Cook“, auf dem Leitwerk das Thomas-Cook-Logo. Die Hauptfarbe Gelb wurde durch Blau ersetzt. Im Juni 2002 startete das erste von damals fünfzig Condor-Flugzeugen in der neuen Gestaltung. 2003 wurde die Condor-Flotte um zwölf Boeing 757-200 reduziert, um Überkapazitäten im Markt abzubauen. Ab Mai 2004 flog die Fluggesellschaft der Thomas Cook AG in Deutschland wieder unter dem Markennamen Condor Flugdienst, da der Name Thomas Cook von den Deutschen aufgrund des schwächeren Bekanntheitsgrads nicht angenommen worden war und dies zu starken Einbußen in den Passagierzahlen führte. Bei der Lackierung wurde lediglich der Thomas-Cook-Schriftzug in „Condor“ umlackiert, das Thomas-Cook-Logo am Leitwerk blieb ebenso wie die Hauptfarbe blau. Condor Berlin kaufte 2005 einen weiteren Airbus A320-200 und betrieb nun eine Flotte von 13 Flugzeugen dieses Typs. 2006 folgte eine weitere A320-200, außerdem starteten Condor und Germanwings eine Partnerschaft.
Am 22. Dezember 2006 unterzeichneten die Lufthansa und die Karstadt Quelle eine Absichtserklärung, wonach der Lufthansa-Konzern sich bereit erklärte, seinen Anteil von 50 Prozent an Thomas Cook an die Karstadt Quelle zu einem Kaufpreis in Höhe von rund 800 Millionen Euro zu übereignen.[13] Zugleich wurde vereinbart, den direkten Kapitalanteil des Lufthansa-Konzerns an Condor von 10 auf 24,9 Prozent aufzustocken und dem Lufthansa-Konzern zudem die Anteile der Condor an der türkischen Charterfluggesellschaft SunExpress zu übertragen. Lufthansas indirekter Kapitalanteil an der Condor von 45 Prozent ging mit dem Verkauf ihrer Thomas-Cook-Anteile komplett an KarstadtQuelle über. Insgesamt reduzierte die Deutsche Lufthansa somit ihren Kapitalanteil an der Condor um 30,1 Prozentpunkte. KarstadtQuelle erhielt die Kaufoption, nach Ablauf von zwei Jahren nach Schließung des Kaufvertrags den Anteil des Lufthansa-Konzerns an Condor von 24,9 Prozent zu übernehmen. Im Gegenzug erhielt der Lufthansa-Konzern eine Verkaufsoption auf den Kapitalanteil der KarstadtQuelle AG (75,1 Prozent). Für den Fall, dass beide Unternehmen ihre Optionen nicht nutzen, wurde dem Lufthansa-Konzern ein Vorkaufsrecht auf die Thomas-Cook-Anteile an Condor zugestanden.[14] Mit dieser Anteilsregelung sollten die Start- und Landerechte von Condor auch außerhalb Europas insbesondere für den Lufthansa-Konzern gesichert und ein Aufkaufen durch ausländische Investoren zunächst vermieden werden.
Im September 2007 gab Air Berlin bekannt, den Anteil von Thomas Cook übernehmen zu wollen. Der Kaufpreis sollte durch die Ausgabe neuer Air-Berlin-Aktien (Anteil der Thomas Cook an Air Berlin dann 29,99 Prozent) und in bar erfolgen und insgesamt 500 Millionen Euro betragen, wobei die Transaktion bis zum 10. Februar 2009 abgeschlossen sein sollte. Der Anteil der Lufthansa von 24,9 Prozent, auf den Thomas Cook eine Call-Option hatte, sollte dann im Februar 2010 an Air Berlin übergeben werden. Die wechselseitigen Beteiligungen wurden am 5. Oktober 2007 beim Bundeskartellamt zur Genehmigung vorgelegt. Das Bundeskartellamt hatte von Anfang an erhebliche Bedenken und verlängerte die Prüfungsfrist mehrfach. Am 11. Juli 2008 zogen Air Berlin und Thomas Cook den Antrag auf Fusion beim Bundeskartellamt aufgrund der „erheblich veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ zurück. Daraufhin wurde versucht, die Condor in eine gemeinsame Fluglinie mit der Germanwings und TUIfly einzubringen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch Ende September 2008. Laut Thomas Cook sollte es nun keine weiteren Bemühungen um eine Fusion geben.[15] Thomas Cook übernahm 2009 die restlichen Condor-Anteile von 24,9 Prozent für 77 Millionen Euro von der Lufthansa.[16][17] Seither hält die Lufthansa keine Anteile mehr an Condor. Im Jahr 2012 verlegte Condor ihre Zentrale von Kelsterbach in den neuen Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen.[18]
Im Frühjahr 2013 wurde bekanntgegeben, dass die Tochtergesellschaft Condor Berlin bis Mai 2013 aufgelöst und in die Condor Flugdienst integriert wird.[19] Im Frühjahr 2018 kooperierte Condor mit der Fluggesellschaft Laudamotion, beendete die Zusammenarbeit aber nach dem Einstieg von Ryanair bei Laudamotion. Im September 2013 stellten Condor und Thomas Cook Airlines UK ihren gemeinsamen neuen Markenauftritt vor, der ein vollständig neues Corporate Design und eine neue Bemalung der Flotte in grau/weiß/gelb und das „Sunny Heart“ beinhaltet.[20] Als erste Maschine erhielt Ende November 2013 eine Boeing 767-300ER die neue Bemalung.
Im Februar 2019 kündigte Thomas Cook an, die Flugsparte, Thomas Cook Group Airline, inklusive der Condor zum Verkauf zu stellen; der Flugbetrieb lief normal weiter.[21] Nachdem zwischenzeitlich auch die Lufthansa Interesse an Condor und optional auch den übrigen Thomas Cook Airlines zeigte,[22] wurde im Juli 2019 gemeldet, dass Thomas Cook den Verkauf vorübergehend nicht weiter verfolgte.[23]
Nachdem die Muttergesellschaft Thomas Cook am 23. September 2019 Insolvenz angemeldet hatte, geriet die selbst profitabel arbeitende Condor in Liquiditätsprobleme.[24] Zur Überbrückung des schwächeren Winterhalbjahrs erhielt sie ein KfW-Darlehen in Höhe von 380 Millionen Euro, für das die Bundesrepublik Deutschland und das Land Hessen bürgen.[25][26] Die von Condor beantragte Eigenverwaltung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens wurde Anfang Dezember 2019 eröffnet.[27][28] Im Rahmen der Auflösung und Abspaltung aus der Thomas Cook Group brachte die Condor im November 2019 auf einer Boeing 767-300ER mit dem Kennzeichen D-ABUF auf dem Seitenleitwerk ihr altes Condor-Logo erneut an.[29]
Am 24. Januar 2020 wurde bekannt, dass die Muttergesellschaft der polnischen LOT, die Polska Grupa Lotnicza (PGL), die Condor übernehmen solle.[30][31] Im Februar 2020 gab das Bundeskartellamt die Übernahme durch PGL frei.[32] Zum 15. April 2020 sollte das von der Bundesregierung und dem Land Hessen verbürgte Darlehen vollständig zurückbezahlt werden. Am 13. April zog sich PGL jedoch vom Kauf der Condor zurück, da PGL selbst wegen der kompletten Einstellung des Flugbetriebs von LOT aufgrund der COVID-19-Pandemie Staatshilfen in Anspruch nehmen müsse.[33]
Am 4. April 2022 veröffentlichte Condor ihr neues Markenimage. Unter dem Motto „Unser neuer Look“ wurde der neue Slogan „Condor – Leidenschaft ist unser Kompass“, eine neu gestaltete Bildmarke sowie das Redesign der Flugzeugbemalungen präsentiert.
Die Flugzeuge werden farbige Ringe (Gelb, Rot, Blau, Grün und Beige) um den Rumpf tragen. Das erste Flugzeug wurde am 4. April mit neuer Bemalung von Maastricht nach Frankfurt geflogen und hat am 5. April seinen Erstflug in neuer Bemalung nach Lanzarote durchgeführt.[34][35] Ausgeschlossen von dem Redesign sind die Boeing 767-300ER, da diese bis 2024 ausgeflottet werden sollen.
Im April 2020 wurde bekannt, dass Condor von der Bundesrepublik Deutschland einen Staatskredit für zwei Darlehen über ca. 550 Mio. € erhalten wird, der auf dem Schutzschild-Programm der Bundesregierung gegen die COVID-19-Pandemie basiert. Condor kann damit sowohl die nun rückfällige, unbekannte Kaufsumme von PGL zurückerstatten als auch den im Herbst 2019 gewährten Hilfskredit vom Staat und dem Land Hessen über 256 Mio. € inklusive Zinsen zurückzahlen. Die EU hat diese Finanzspritze abgesegnet.[36] Der Schutzschirm wurde im Dezember 2020 wieder verlassen.[37] Aus Kostengründen wurde im Sommer 2020 der Verwaltungssitz von der bisherigen Zentrale in Gateway Gardens nach Neu-Isenburg verlegt.[38][39] Das Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg kippte am 9. Juni 2021 die Genehmigung der EU-Kommission an Deutschlands 550 Mio. € Staatshilfe nach Klage von Konkurrenzunternehmen Ryanair. Die ausgezahlten Staatshilfen an Condor bleiben nach Gerichtsbeschluss der EuG praktisch gesehen zunächst ohne Wirkung. Die Liquidität des Unternehmens bleibt weiter durch die staatlich abgesicherten Darlehen erhalten. Die Rückzahlung der staatlichen Kredite wird bis auf weiteres ausgesetzt. (Rechtssache T 665/20)[40][41] Im Juli 2021 billigte die EU-Kommission nach Klage von Ryanair und erneuter Prüfung wiederholt das Hilfspaket der deutschen Regierung von etwa 525 Mio. Euro.[42][43]
Condor teilte im Mai 2021 mit, dass der britische Vermögensverwalter Attestor 51 Prozent der Anteile übernommen habe.[44] Die übrigen 49 Prozent sollen zunächst bei der SG Luftfahrtgesellschaft verbleiben, einer Zweckgesellschaft der zur Noerr-Gruppe zählenden Team Treuhand GmbH, die seit dem Ende eines Schutzschirmverfahrens für Condor als Treuhänder fungiert und formal die Eigentümerrolle hat, nachdem der einstige Mutterkonzern Thomas Cook zusammengebrochen war.[45] Alle 4050 Arbeitsplätze sollten erhalten bleiben.[46] Noch im Juli 2021 soll der Finanzinvestor Attestor als neuer Anteilseigner bei Condor Flugdienst einsteigen.[42][47][48]
Im Winterflugplan 2021/2022 sollten insgesamt 13 Kurz- und Mittelstreckenziele sowie 21 Langstreckenziele bedient werden.[49]
Auf der Kurz- und Mittelstrecke werden Ziele in etlichen Ländern rund um das Mittelmeer sowie auf den Kanarischen Inseln angeboten, die mit Airbus A320-200 und A321-200 sowie Boeing 757-300 durchgeführt werden. Condor bietet mehrere Verbindungen von den Flughäfen Berlin Brandenburg, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig/Halle, München, Stuttgart, Wien und Zürich an. Das Angebot ab Friedrichshafen, Köln/Bonn und Nürnberg ist hingegen sehr gering. Die Flugziele der Condor sind fast ausschließlich von touristischer Bedeutung.[50]
Die meisten Condor-Langstreckenflüge starten vom Flughafen Frankfurt aus, zudem werden einzelne Ziele auch ab den Flughäfen München und Düsseldorf angeflogen. Es werden Ziele in Afrika, Asien, Nordamerika, Südamerika sowie in der Karibik angeflogen.
Mit Stand Oktober 2022 besteht die Flotte der Condor aus 54 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von ca. 18,6 Jahren:[51]
Flugzeugtyp | Anzahl | bestellt | Anmerkungen | Sitzplätze[52] (Business/Eco+/Eco) |
Durchschnittsalter (Oktober 2022) |
---|---|---|---|---|---|
Airbus A320-200 | 16 | jeweils zwei betrieben durch Bulgaria Air und Heston Airlines | 180 (–/var./var.) | 17,9 Jahre | |
Airbus A320neo | 13 | Auslieferung vsl. ab Frühjahr 2024; Ersatz für Airbus A320-200[53][54] | – offen – | ||
Airbus A321-200 | 11 | zehn mit Sharklets ausgestattet | 215 (–/var./var.) 220 (–/var./var.) |
8,4 Jahre | |
Airbus A321neo | 28 | Auslieferung vsl. ab Frühjahr 2024; Ersatz für Airbus A321-200 und Boeing 757-300[53][54] | – offen – | ||
Airbus A330-200 | 4 | Einsatz zu Crew-Schulungszwecken für den Übergang von der Boeing 767-300ER zum Airbus A330-900neo[55][56] | 262 (22/–/240) | 14,6 Jahre | |
Airbus A330-300 | 1 | Einsatz zur Vermeidung von Kapazitäts-Engpässen durch Ausflottung der Boeing 767-300ER; betrieben durch SmartLynx Airlines Malta[57][58] | 285 (30/–/255) | 9,7 Jahre | |
18 | Auslieferung vsl. ab Herbst 2022; Ersatz für Boeing 767-300ER bis Mitte 2024[48][59][60] | 310 (30/64/216) | |||
Boeing 757-300 | 13 | alle mit Winglets ausgestattet, zwei inaktiv | 275 (–/var./var.) | 23,3 Jahre | |
Boeing 767-300ER | 9 | alle mit Winglets ausgestattet, Ausflottung bis 2024[61] | 245 (30/35/180) 258 (18/35/205) 259 (18/35/206) |
28,6 Jahre | |
Gesamt | 54 | 57 | 18,6 Jahre |
Während die Kurz- und Mittelstreckenflotte (Airbus A320-200, A321-200 und Boeing 757-300) über Sitze der Economy und Premium Economy Class verfügt, werden in den Langstreckenmaschinen vom Typ Boeing 767-300ER drei verschiedene Beförderungsklassen angeboten:[62] Neben der Economy Class und der Premium Economy Class gibt es an Bord der 767-300ER eine Business Class (bis Oktober 2013 Comfort Class), die einen höherwertigen Sitz und umfangreicheren Service umfasst. Der Sitz lässt sich unter anderem in eine Liegeposition bis zu 170° verstellen. Am 30. Oktober 2013 wurde die erste modernisierte 767 mit der neuen Kabine vorgestellt, alle Sitze in allen drei Klassen verfügen nun erstmals über persönliche Bildschirme für das In-flight Entertainment, meist gegen zusätzliche Gebühren.[63] Die Kurz- und Mittelstreckenflotte verfügt über Bildschirme an der Kabinendecke.
Condor versieht häufig Flugzeuge aus ihrer Flotte mit großflächigen Werbe- oder anderweitigen Sonderbemalungen.[64]
Flugzeugtyp | Luftfahrzeugkennzeichen | Bemalung | Zeitraum | Bild |
---|---|---|---|---|
Airbus A320-200 | D-AICA | Retro „Hans“ | Dezember 2011–Januar 2019 | ![]() |
D-AICC | „Sachsen“ | Dezember 2014–Januar 2016 | ![]() | |
Airbus A321-200 | D-ATCD | „I love Sentido“ | Juni 2018–Oktober 2019 | ![]() |
Boeing 757-200 | D-ABNF | „Rizzibird“ | 1996–Januar 2002 | ![]() |
Boeing 767-300ER | D-ABUE | „Ein Herz für Kinder“ | Juli 2013–Oktober 2015 | ![]() |
D-ABUZ | „Ja zu FRA!“ | Dezember 2012–September 2015 | ![]() | |
D-ABUM | „Achim“ Retro-Bemalung (1970er Jahre) |
August 2012–Oktober 2022 | ![]() |
Condor setzte im Lauf ihrer Geschichte folgende Flugzeugtypen ein:[65][66]
Bereits seit 1998 verfügte die Condor Berlin über einen eigenen Technikbetrieb für die Wartung ihrer A320-Flotte, die Condor Berlin GmbH am Flughafen Berlin-Schönefeld. Mit Ausgliederung des Flugbetriebs der Condor Berlin an die Muttergesellschaft am 1. Mai 2013 war das Unternehmen nun ein ausschließliches Wartungsunternehmen. Als Tochtergesellschaft der Thomas Cook Group Maintenance war sie ab diesem Datum am Standort Flughafen Berlin-Schönefeld für die Wartung der Airbus-Flotte der Condor zuständig.[67] Zum 31. Oktober 2018 wurde die operative Tätigkeit der Condor Berlin GmbH als Wartungsbetrieb in Berlin-Schönefeld eingestellt.[68] Die Condor Berlin GmbH existierte formal weiter, da sie Eigentümer einiger Airbus A320 war. Nach zwischenzeitlicher Umbenennung in „BLT Berlin Lufttransport GmbH“ trat am 1. Januar 2020 die Insolvenz ein.[69][70]
Seit dem 11. November 2008 werden auch die Flugzeuge des Typs Boeing 757 und 767 in Eigenregie gewartet. Dies geschieht durch die Condor Technik GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Condor Flugdienst GmbH. Angesiedelt ist das Unternehmen in Frankfurt, wo zunächst 100 Mitarbeiter tätig sind. Zum 9. August 2010 wurden erstmals drei Auszubildende zum Fluggerätemechaniker eingestellt.[71][72][73] Zuvor wurden die Boeing-Flugzeuge der Condor von der Condor Cargo Technik, einer Tochter der Lufthansa Technik, gewartet.
Seit November 2014 bildet die Condor in Kooperation mit der TFC Käufer an der Flugschule in Essen eigene Piloten aus. Die Teilnehmer erwerben im Rahmen des Condor Ab Initio Programms (CAP) die Multi-Crew Pilot Licence samt – wie bei dieser Lizenz vorgesehen – Musterberechtigung (type rating) für den Airbus A320/A321 oder die Boeing 757/B767.
In ihrer Geschichte verzeichnet Condor bisher drei Totalverluste von Flugzeugen, davon zwei mit Todesopfern in den eigenen Maschinen:[74][75]
Darüber hinaus gab es die folgenden nennenswerten Zwischenfälle:
Am 1. Oktober 1966 erhielt mit Condor erstmals ein privates Unternehmen den Auftrag, mit Strahlflugzeugen Luftziele zu simulieren. Dazu wurden sechs North American F-86 eingesetzt, die mit Schleppzielen aus Pappe, Textil oder Kunststoff vom Flughafen Sylt starteten. Im Jahr 1974 wurden die Maschinen durch 24 Fiat G.91 ersetzt, und 1976 zogen die Maschinen auf den Fliegerhorst Hohn um. Am 24. Mai 1989 wurde dann die GFD als Tochter der Condor und der Aero-Dienst gegründet, um mit einem wirtschaftlicheren zivilen Muster Zieldarstellung zu fliegen. Nach der Unterzeichnung eines entsprechenden Vertrages wurden zunächst vier Learjet 35 angeschafft, welche auch zwei statt einem Schleppziel aufnehmen konnten. Im Jahr 1997 unterzeichnete die Firma einen langfristigen Vertrag mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB), durch den eine Aufstockung des Bestandes auf sieben Learjets möglich wurde. Im Jahr 2002 übernahm die EADS das Unternehmen.
Im Jahr 1964 stieg Condor in den Bereich des Geschäftsflugverkehrs ein. Ein erster Versuch wurde ab August 1964 unternommen, als im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen täglich die Strecke Düsseldorf–Greven–Hannover mit einer Beech Queen Air bedient wurde. Nach Einstellung der staatlichen Subventionen im nächsten Jahr wurde die Strecke unwirtschaftlich und im Dezember 1965 eingestellt.[86] Ein weiterer Versuch in dieses Marktsegment wurde ab 1967 mit Condor Executive unternommen. Für Geschäftsreisende wurden Flüge mit einer Hawker Siddeley HS.125 angeboten.[87] Das Personal war zusätzlich geschultes Personal der Condor. Diese Flüge waren wirtschaftlich erfolgreich. Ebenso wurden mit dieser Maschine auch Ambulanzflüge für das Deutsche Rote Kreuz und den ADAC sowie eine vierwöchige Flugkampagne, die der Gewinnung von Luftproben über Süd- und Nordamerika im Juli 1974 im Auftrag des Max-Planck-Instituts in Mainz diente, durchgeführt.[88][89]
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