Die Boeing C-97 Stratofreighter (deutsch: Stratosphärenfrachter), auch Boeing 367, war ein ab 1944 gebautes militärisches Langstrecken-Transportflugzeug aus US-amerikanischer Produktion, ausgelegt als viermotoriges Propellerflugzeug mit Kolbenmotoren. Aufbauend auf der Boeing C-97 wurde das Langstrecken-Passagierflugzeug Boeing 377 Stratocruiser entwickelt.
Die C-97 war eine Weiterentwicklung des Boeing-B-29-Langstreckenbombers und kombinierte das Flugwerk der B-29 mit dem großen Querschnitt eines Doppeldeck-Rumpfes. Der Erstflug erfolgte bereits 1944; die ersten drei Maschinen wurden lediglich zu Testzwecken verwendet und während des Krieges nicht militärisch eingesetzt.[1]
Beim Entwurf der C-97 wurden nur der Rumpf neu entworfen und der Antrieb geändert; das Tragwerk und die Leitwerke wurden von der B-29 übernommen. Ab der siebten Maschine kamen das größere Seitenleitwerk und die Triebwerke der Boeing B-50 Superfortress zur Anwendung.[2]
Die Stratofreighter konnte anstelle von Fracht bis zu 134 voll ausgerüstete Soldaten befördern oder zum Krankentransport mit 83 Tragen genutzt werden.[3]
Produktion
Die ersten beiden C-97 wurden von der USAAF Ende 1943 und Anfang 1944 abgenommen.
Insgesamt wurden 77 Exemplare der C-97 hergestellt.[4]
Nach Kriegsende wurde aus der C-97 das zivile Passagierflugzeug B-377 Stratocruiser abgeleitet. Aufgrund der starken Konkurrenzsituation, insbesondere durch die Lockheed Constellation und die Douglas DC-6, wurden nur 56 Stück produziert. Weitere 811 Maschinen wurden als Luftbetankungsflugzeuge Boeing KC-971) fertiggestellt, wovon viele später wieder zu C-97-Transportern umgebaut wurden.
1) Die Version als Tankflugzeug KC-97 wird vereinzelt fälschlich als „Stratotanker“ bezeichnet. Nach sämtlichen seriösen Quellen (auch Boeing und USAF) wird jedoch auch die KC-97 Stratofreighter genannt. Den Namen Stratotanker trägt ausschließlich das strahlgetriebene Nachfolgemodell Boeing KC-135.
Im Jahr 1953 wurden die drei KC-97A in C-97A umgebaut. Weiterhin wurden 1955 zwei KC-97G zum Umbau in YC-97J und 1959 eine YC-97 in eine C-97F verwendet. Während des Korea-Krieges erfolgte die Konversion von sechs C-97A und der YC-97B in sieben C-97D, davon drei VC-97D.[8]
Versionen
Boeing YC-97 45-59590 mit dem niedrigeren Seitenleitwerk der B-29 (1947)Boeing C-97A Stratofreighter 49-2607 der Minnesota Air Guard (1960)Boeing C-97A Stratofreighter (USAF_Wiesbaden-Erbenheim 1955)Boeing C-97G im Pima Air & Space Museum in Tucson. Die Maschine war für Hilfsflüge nach Biafra unter Rot-Kreuz-Flagge als HB-ILY bei der ehemaligen Schweizer Balair registriert; im Einsatz von 1969 bis 1970.
Die hier nicht genannten Versionen des Tankflugzeuges KC-97 sind im Hauptartikel Boeing KC-97 aufgeführt. Es handelt sich dabei um: KC-97E, KC-97F, EC-97G, KC-97G, GKC-97G, JKC-97G, HC-97G, KC-97H, KC-97L.
XC-97
Prototyp, drei wurden gebaut.
YC-97
Vorserienmaschine als Transporter, sechs wurden gebaut.
YC-97A
Vorserienmaschine als Truppentransporter, drei wurden gebaut.
YC-97B
Vorserienmaschine als Passagierflugzeug mit 80 Sitzen, später umbenannt in C-97B, 1954 als C-97D klassifiziert, ausgemustert am 15. Dezember 1969.[9]
C-97A
Serienversion als Transporter mit 2425 kW Pratt & Whitney-R-4360-27-Motoren, 50 wurden gebaut.
KC-97A
Umbau von drei C-97A zu Tankflugzeugen. Nach erfolgreichen Tests wieder zu C-97A umgebaut.
C-97C
Serienversion mit Verstärkung des Frachtbodens sowie kleineren Änderungen von Instrumentierung und Funkanlage, 14 Stück gebaut. Während des Koreakrieges 1950 bis 1953 zu Verwundetentransportern eingesetzte Maschinen wurden als MC-97C bezeichnet.[10]
VC-97D
Umrüstung dreier C-97A als VIP-Transporter und fliegende Kommandoposten.[11]
C-97E
zu Transportern umgebaute KC-97E.
C-97F
zu Transportern umgebaute KC-97F.
C-97G
135 zu Transportern umgebaute KC-97G.
YC-97J
Ausrüstung von zwei KC-97G mit vier Turboprops Pratt & Whitney YT34-P-5 je 4250 kW. Obwohl erfolgreich, wurden weitere Umbauten zugunsten der Boeing KC-135 gestrichen.
Am 29. Juni 1964 kollidierte eine Douglas DC-4/HC-54D der United States Air Force (USAF) (Luftfahrzeugkennzeichen 42-72590) 6,5 Kilometer südlich des Kindley Field (Bermuda) mit einer Boeing HC-97 Stratofreighter der USAF. Beide Maschinen befanden sich auf einem gemeinsamen Fotoflug, als die HC-54 eine Tragfläche und das Heck der C-97 durchschnitt. Beide stürzten ab, es gab unter den insgesamt 17 Insassen keine Überlebenden. An Bord der DC-4 wurden alle 7 Besatzungsmitglieder getötet, in der C-97 alle 10.[13]
Am 30. November 1970 wurde mit einer Boeing 707-373C der Trans World Airlines(N790TW) am Flughafen Tel Aviv-Lod der Start zu einem Frachtflug eingeleitet. Zeitgleich wurde eine leere, unbeleuchtete C-97K Stratofreighter der israelischen Luftstreitkräfte (4X-FPS/037) über die Startbahn geschleppt. Trotz eines versuchten Startabbruchs kam es zum Zusammenstoß und Brand beider Flugzeuge. Dabei kamen zwei Personen am Boden ums Leben, die dreiköpfige Besatzung der TWA-Maschine überlebte (siehe auch Trans-World-Airlines-Flug 645)[14][15]
Technische Daten
Kenngröße
Daten
Besatzung
4
Länge
33,7 m
Spannweite
43,1 m
Höhe
11,7 m
Flügelfläche
161,1 m²
Streckung
11,5
Leermasse
37.410 kg
max. Startmasse
79.370 kg
Triebwerke
vier Sternmotoren Pratt & Whitney R-4360-59 mit je 3.500PS (ca.2.600kW)
Höchstgeschwindigkeit
603 km/h
Dienstgipfelhöhe
10.670 m
Reichweite
6.920 km
Siehe auch
Liste von Flugzeugtypen
Literatur
Gordon Swanborough und Peter M Bowers: United States Military Aircraft since 1909. Putnam Aeronautical Books, London 1989, ISBN 0-85177-816-X.
Peter M Bowers: Boeing Aircraft since 1916. Putnam Aeronautical Books, London 1989, ISBN 0-85177-804-6.
Leonard Bridgman (Hrsg.): Jane’s All The World’s Aircraft, 1952–53. Sampson Low, Marston & Company, London 1964.
Martin Bach: Boeing 367 Stratofreighter, Boeing 377 Stratocruiser, Aero Spacelines Guppies. NARA Verlag, Allershausen 1996, ISBN 3-925671-18-8.
Statistical Digest of the USAF 1946, S. 94; 1947, S. 118; 1948, S. 16; 1949, S. 164 f.; 1951, S. 159
Gordon Swanborough, Peter M. Bowers: United States Military Aircraft since 1909. Putnam Aeronautical Books, London 1989, ISBN 0-85177-816-X, S. 125–129.
Statistical Digest of the USAF 1960–1972, Tabelle „Gains and Losses“
Statistical Digest of the USAF 1950–1972, Tabelle „USAF Aircraft Gains and Losses“; 1956, S. 117 ff., 1961, S. 97 ff.
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